… sprich: Den totalen Untergang?

Oder wäre es nicht besser, stattdessen mal richtig nachzudenken? Etwa so, wie Bruno Latour es 2021 formuliert hat:

„Wir brauchen auch eine bescheidene Technologie. Die ganze Gesellschaft muss wieder kritikfähig werden, was ihr das Prinzip der Modernität genommen hatte. Sie muss verstehen lernen, dass wir eine ökologische Zivilisation „komponieren“ müssen. Bescheiden müssen wir die verschiedenen Elemente prüfen und uns dabei sagen: Ich erfinde eine Technik. Sie wird unerwartete Folgen haben. Die lokalisiere ich. Dann diskutieren wir darüber. Aber das geht nicht. Das ist es, was mich so aufregt. Wir waren nie modern, glaubten aber, es zu sein. Und das hat bis heute unglaublich gravierende Folgen.“

Der Screenshot stammt aus dem online-Auftritt der ZEIT vom 17.11.2022.

Das Zitat von Bruno Latour stammt aus den „Gesprächen mit Bruno Latour“ aus dem Jahr 2021 (Regie: Camille De Chenay und Nicolas Truong. Gesendet im Jahr 2022 bei ARTE)

„No Problem, kann man alles technisch lösen!“

So tönen besonders gern jene Leute, deren Vorgänger uns bereits mit revolutionären neuen Techniken in die katastrophale Situation von heute hineinmanövriert haben.

Klingt strange? … Is aber so! Denn auch Carl Benz hat ja schon „technisch gelöst“! Ihm und seinen zahlreichen Kollegen haben wir all jene tollen Erfindungen zu verdanken, die nun bereits mehr als ein Jahrhundert lang den entscheidenden Beitrag zur finalen „WELTVERGASUNG“ leisten.

Und ja doch: WIR ALLE haben dabei fröhlich mitgemacht! War ja soo superbequem und komfortabel! Und lange Zeit hatten wir doch gar keine Ahnung, was wir mit unserer Denkfaulheit und mit unseren Distinktionswünschen so alles anrichten, was?

Seit ein paar Jahrzehnten lernen wir es nun aber mit zunehmender Intensität! Und seither kann sich niemand mehr herausreden. Stattdessen müssen wir uns endlich unserer Verantwortung für das weltweite Umwelt- und Klima-Desaster stellen.

Und von Tag zu Tag wird auch klarer:

Die hochtrabenden Problemlösungs-Vortäuschungen von Elon Musk und anderen Techno-Propheten und -Profiteuren werden uns dabei keinen Millimeter weiterhelfen.

Der Screenshot stammt aus dem online-Auftritt der Wirtschaftswoche vom 01.10.2022

Am Anfang schufen die Menschen Gott.

Warum? Weil sie mit ihrem stetig wachsenden Selbstbewusstsein (und ihren im gleichen Maß schwindenden natürlichen Instinkten) auf Erden nicht mehr zurechtkamen.

Sich nicht mehr instinktiv als Teil des Weltganzen zu fühlen, sondern sich zunehmend als dessen abgespaltenes und reflexionsfähiges Gegenüber wahrzunehmen, dürfte wohl der größte Schock gewesen sein, der der Menschheit jemals widerfuhr. Erzählungen wie die „Vertreibung aus dem Paradies“ sind ein Hinweis auf diese Abspaltung der Menschen vom übrigen Leben.

Kein Wunder, dass sie sich eine machtvolle Person ersehnten, die sie von der alleinigen Verantwortung für ihr Tun auf Erden entbinden konnte. Einen väterlichen Gott, der ihnen etwa sagen sollte:

„Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“

Da dieser Gott eine fiktive Figur war und blieb, konnte und kann er natürlich keinerlei Hilfe leisten. Das erklärt die aberwitzige Situation, in die sich die Menschheit – dank ihrer „Gottesfantasie“ – hineinmanövriert hat.

Hinzu kam, dass dieser „Gott“ sich leicht als ideologisches Mittel zur Disziplinierung, Manipulation und Ausbeutung der Mitmenschen einsetzen ließ (was die Gerisseneren auch ausgiebig nutzten, wie uns die Geschichte lehrt).

Nur wenn die Menschen sich endgültig vom Selbstbetrug „Gott“ verabschiedeten, könnten sie ihre herausragende Stellung als „response-able“ (verantwortungsfähige) Wesen inmitten der irdischen Vielheit tatsächlich einnehmen und dürften in der Folge vielleicht doch noch auf eine konstruktive und erbauliche Weiterexistenz auf dem Raumschiff Terra hoffen.

Andernfalls: OMG!

Dieses Schild stammt aus der ständigen Ausstellung des Naturhistorischen Museums in Wien. Ich habe es vor etwa 25 Jahren dort fotografiert. Freizügig interpretiert lassen sich die Schlussfolgerungen des Texts auch auf die Gattung „Homo sapiens“ unter der Herrschaft des ungezügelten globalen Kapitalismus anwenden. Und siehe da: Im Lichte dieser Kurzbeschreibung bekommen viele gesellschaftliche Erscheinungen der vergangenen Jahrzehnte (und Jahrhunderte) einen neuen und tieferen Sinn.

Oder nicht?

Die Rede ist vom hochmotorisierten Individualverkehr. Insbesondere von jenen Geräten, die Distinktionszwecken dienen und ihren überwiegend männlichen Besitzern ein Gefühl von Wichtigkeit, Bedeutung und Macht geben sollen. Diese Art der Nutzung von Technologien steht leider in krassem Widerspruch zu dem Anliegen, weltweit halbwegs akzeptable Lebensbedingungen wiederherzustellen und zu sichern. Die entsprechenden Geräte sollten daher aus dem Verkehr gezogen werden. Ihren Besitzern sollten alternative Möglichkeiten aufgezeigt werden, was sie gegen ihre Minderwertigkeitskomplexe und ihr angeschlagenes Selbstbewusstsein tun können … und für bessere Lebensbedingungen auf dem Planeten!

Berufspendler Landsberg am Lech – München – Landsberg am Lech.

Morgens 230 mal 50 Kilometer in den Westen der großen Stadt und am Abend dasselbe zurück nach Hause in den Osten der Kreisstadt macht 23.000 Kilometer pro Jahr.

Bei 6,7 Liter pro 100 Kilometer macht das 1541 Liter Super im Jahr. Und das bedeutet einen Ausstoß von 3544 Kilo Kohlendioxid.

Zum Arbeitsplatz und zurück (durchschnittlich je 67 Minuten) im Auto sitzen ergibt pro Jahr 30.820 Minuten, also etwas mehr als 21,4 Tage Einsamkeit in der Blechschachtel (umgeben von abertausenden weiteren autofahrenden Einsamkeiten in ihren Blechschachteln).

Hochgerechnet auf ein Arbeitsleben von 35 Jahren:

805.000 km gefahren, dabei ca. 124 Tonnen Kohlendioxid in die Luft geblasen und 1.078.700 Minuten Einsamkeit in der Blechschachtel ertragen.

Das sind etwa 750 vollständige Lebenstage oder 2,1 vollständige Lebensjahre!

Und das wäre … FREIHEIT?

Echt jetzt?

Immer mehr Menschen teilen die Auffassung: Die FDP kann weg. Nur wie?

Nun, das können Sie mit Ihrem PC in ein paar Minuten erledigen:

  1. Scannen Sie die FDP ein und verwandeln Sie sie dabei in eine PDF-Partei.
  2. Ziehen Sie die Partei in Ihren Papierkorb.
  3. Klicken Sie nun mit der rechten Maustaste auf den Papierkorb und wählen im Pulldown-Menü den Befehl: „Papierkorb leeren“.
  4. Es erscheint der Hinweis „Möchten Sie diese Partei wirklich unwiderruflich löschen?“
  5. Bestätigen Sie mit „Ja“.
  6. Hat nicht geklappt? FDP immer noch da? Macht immer noch dieselbe destruktive Politik im Namen ihrer Besserverdienenden-Klientel?
  7. Tja, dann muss man das Problem wohl anders angehen, was?

„… von den seit fünfzig Jahren vertretenen politischen Positionen, wenn man die Klimafrage und deren Leugnung nicht ins Zentrum rückt.“

Zitiert aus: Bruno Latour „Das terrestrische Manifest“ (Berlin, Suhrkamp Verlag, 2018)

Sag, isses nicht wahr, dass nix klar is?
Dass ’n Scheck um’s Verreck‘n nich bar is?
Dass das Haar auf mei’m Schädel kein Star is?
Dass nich jeder Tartar ‘n Barbar is, ey?

Diss iss ebend alles vertrackt, Man!
Wer das nich‘ kapiert, hat verkackt, Man!
Diese Welt is halt supa komplex, Man!
Und die Kohle hat jetzt meine Ex‘, Man!

Fuck!

Grafik: Jana Weers / Text: Franz Specht

tick tack tick tack

… … … „Ich habe mich Frauen gegenüber immer rücksichtsvoll und zartfühlend verhalten. Das liegt daran, dass ich einer Familie entstamme, in der man noch zum Gentleman erzogen wurde, wenn Sie verstehen, was ich meine. … … …

tick tack tick tack

… … … Natürlich wurde auch großer Wert auf männliche Dominanz und Durchsetzungsfähigkeit gelegt, keine Frage! Der Mann ist ja von Natur aus der Kämpfende, der Sendende, während die Frau lediglich zu empfangen hat.“ … … …

tick tack tick tack

… … … „Wo diese schlichte Grundregel befolgt wird, werden Sie ausschließlich Beziehungen von größter Harmonie und Stabilität vorfinden. Wehe aber, wenn sich herausstellt, dass die Frau mit den geistigen Seuchen unserer Zeit infiziert ist! Dann sind der Hölle und dem Satan Tür und Tor geöffnet, nicht wahr?“ … … …

dingong dingong dingong

„Ähem … was? … Ähm ja! … Die Stunde ist um. … Da sind wir ja heute wieder ein schönes Stück vorangekommen, Herr von Ruckdasch!“

Grafik: Philipp Kunze / Text: Franz Specht

Junge, reich mir Deine Flosse,
Denn du bist mein Zeitgenosse!
Wir weilen beide hier auf Erden,
Bis wir wieder Humus werden.

Grafik: Philipp Kunze / Text: Franz Specht

„Was? Ne Welt?“ stöhnte der Mann.
„Herrgott! Was soll ich denn damit tun?“
„Was wohl!“ höhnte das höchste Wesen zurück.
„Mach sie dir untertan! Beiß rein, du Pfeife! Saug sie aus!“
Plumpste dann zurück in sein Himmelbett.
War schräg drauf an diesem Tag.
Die Migräne fing wieder an.


Da stand er nun, unser Heinzi
Mit diesem knallbeschissnen Plan,
Hingesabbert vom verantwortungslosesten Gott aller Zeiten.


Die weitere Geschichte kennen wir ebenso genau,
Wie wir an ihrem Ende stehen.

Grafik: Jana Weers / Text: Franz Specht

kuck doch: das wird nix
das geht voll daneben
zu wenig dynamik
da muss was gescheh‘n

zack kommt die gabel
mit sturzkampfbewegung
willst du nicht knipsen?
dir fehlts an ideen

sein essen zu posten
ist nur was für nulpen
viel spaß noch im leben
ich werde jetzt geh‘n

Grafik: Philipp Kunze / Text: Franz Specht

Sitze hier rum wie Robinson Crusoe
Hab einen Vogel und das is gut so
Der hat mich gern … oder er tut so?
Hauptsache is: Er macht mir Mut so!

Fliege herum und schnappe nach Mück‘
Hab einen Typen, der is mein Entzück‘
Is mein Zuhause, mein Nest und mein Glück
Zu dem kehr ich immer und immer zurück!

Grafik: Jana Weers / Text: Franz Specht

Ueber allen Gipfeln
ist Ruß,
in allen Wipfeln
spürest Du’s:
Asche und Rauch.
Die Vögelein leiden im Walde.
Warte nur! Balde
rußest du auch.

Frei nach J. W. von Goethes Gedicht „Ein Gleiches“ von 1780

„Die Hypertrophie des Rechts, die alles gesetzlich zu regeln versucht, lässt durch ihre Exzesse formeller Rechtmäßigkeit den Verlust jeder substantiellen Legitimität nur umso deutlicher hervortreten.“

Giorgio Agamben

Zitiert aus: „Das Geheimnis des Bösen“ von Giorgio Agamben (Berlin, 2015)

„Zum Höllenszenario gehört aber auch, dass unsere Alltagswelt so undurchschaubar geworden ist, dass wir in ihr und von ihr nichts mehr lernen können, sondern mit allerlei Bedienungsanleitungen über sie belehrt werden müssen, und zwar lebenslänglich; dass wir, statt Künstler zu sein, zu Kunden mutiert sind; dass wir von einer wuchernden Sicherheitssorge befallen sind, die uns jede Überraschung als Anschlag auf Leib und Leben beargwöhnen lässt; dass wir einander nicht trauen können, weil jeder oder jede Andere potentielle Rivalen sind.“

Marianne Gronemeyer

Zitiert aus Marianne Gronemeyers Preisrede anlässlich der Verleihung des Margrit-Egnér-Preises, November 2013

München, Hauptstadt der Betäubung

Größte Sauf-, Kotz- und Brunzparty auf Erden

Maximale Abzocke

Kultureller Mehrwert: Null

Energieverschwendung: Gigantisch

Millionen Anreisende aus aller Welt: Klimagas-Overkill

Noch was?

Weg damit!

„Wenn wir es als Fluch wahrnehmen, in diesen Zeiten zu leben, oder befürchten, dass uns die nächste Generation verfluchen wird, weil wir ihr eine zerstörte Welt hinterlassen haben, können wir uns vielleicht immerhin zwei Fragen vor Augen halten: Wie kann uns dieser Sinn für die Zerstörung der Welt einen Weg nach vorne weisen? Wo und wie kommen wir dahin, dieses historische Leben, das Leben, das wir in dieser historischen Zeit führen, zu bejahen?“

Judith Butler

Zitiert aus einem Vortrag Butlers im Literaturarchiv Marbach. Übersetzung aus dem Englischen von Bettina Engels. Quelle: DIE ZEIT 08/2020

Heinz von Foerster spricht in diesem Interviewausschnitt aus dem Jahr 2001 über Metaphysik, Physik, Teilchen und Weltentstehungserklärungen und bringt den Interviewer damit an den Rand der Verzweiflung.

Ethischer Imperativ von Heinz von Foerster: „Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird!“

„Es ist tatsächlich erstaunlich, wie anthropozentrisch wir immer noch denken. Wenn wir sehen, wie eine Maschine eine Aufgabe bewältigt, dann vergleichen wir das mit unserer Intelligenz. Wenn wir über ethische Fragen nachdenken, stellen wir unsere Interessen vorne an, nicht die der gesamten Umwelt. Wir sehen ja, wohin das führt: Wir sind im Begriff, den Planeten unbewohnbar zu machen. Vielleicht ist es Zeit, etwas zu verändern.“

Luciano Floridi

„Wirklichkeit ist nichts, was uns pur gegeben ist, sondern was immer aus dem Wechsel zwischen Annahmen auf der einen Seite und  Beobachtungen auf der anderen Seite entsteht, und beide haben etwas möglicherweise Illusorisches. Meine Annahmen können täuschen, meine Beobachtungen können täuschen, ich habe aber nichts anderes als beides und vor allem den Wechsel zwischen beidem, um meiner Wirklichkeit für den Moment auf die Spur zu kommen.“

Dirk Baecker

„Denken müssen wir. Wir müssen denken. Das heißt ganz einfach: Wir müssen diese Geschichte ändern; diese Geschichte muss sich ändern.“

Donna J. Haraway

Lesetipp / Donna J. Haraway: „Unruhig bleiben – Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän“ / Frankfurt am Main, 2018

„Ich verstehe unter Vergangenheit etwas, was noch bevorsteht und was dem herrschenden Geschichtsbild entrissen werden muss, damit es sich ereignen kann.“

Giorgio Agamben

„Das Vertrauen in die großen Erzählungen, die unter dem Namen „Ideologie“ erfasst wurden, ist einem totalen Misstrauen gegenüber den großen Gedankengebäuden gewichen. Das ist sehr bezeichnend, denn es heißt, wir haben keine Ideen mehr, wir können nicht mehr an Ideen glauben.“

Jean-Luc Nancy

Zitiert aus: Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 26.12.2016, Jean-Luc Nancy im Gespräch mit Michael Magercord

Kleine Notiz: Könnte das Misstrauen gegen große Gedankengebäude nicht eine gute Idee sein? Stattdessen lieber kleine, bewegliche, temporäre, undogmatische Gedankenbausteine je nach Bedarf?

„Wir glauben nicht mehr, dass die Wirklichkeit die gegenständliche Welt ist und dass der menschliche Geist im Gegensatz zu dieser Welt steht. Wir beginnen zu glauben, dass die Wirklichkeit das Faktum ist, dass wir mit den anderen zusammen in der Welt existieren.“

Vilém Flusser

Wobei aus heutiger Sicht zu präzisieren wäre: „…, dass wir mit allem Lebendigen zusammen in der Welt existieren.“